Wie könnte eine Landschaft der freien Bildung aussehen?

Aus Anlaß des 40. Geburtstages einer Volkshochschule wurde ich gebeten, einen Festvortrag zu halten. Da ich in diesem Vortrag einige Fragen anspreche, die mir von allgemeiner Bedeutung erscheinen, habe ich ihn für diesen Internet-Auftritt frei-sich-bilden.de dahingehend neugestaltet, daß ich jeden Bezug zum Ort und zur Zeit jener Volkshochschule herausgenommen habe und stattdessen mich auf ein anderes, fiktives Jubiläum bezogen: auf den im Jahre 2069 zu feiernden 150. Geburtstag der Volkshochschule in Deutschland. Kritische Anmerkungen hierzu sind herzlich willkommen!

 

Bildung ist frei!

Ein Festvortrag aus Anlaß des 150. Jubiläums der Volkshochschulen 1919 – 2069

Liebe Jubiläumsgäste,

gewiß ist die Tatsache, daß die Volkshochschulen vor einhundertfünzig Jahrenbs-vortrag gegründet wurden, Anlaß genug für eine Festrede. Darin möchte ich zunächst an einige der wichtigen Momente erinnern, die damals, also 1919, so prägend waren, daß sie bis heute, 2069, nachwirken. Welch ein bewegendes Jahr folgte 1919 dem soeben zuende gegangenen sogenannten 1. Weltkrieg! Lassen Sie mich nur zu den zwei ersten Monaten ein paar wenige der auf Deutschland bezogenen Ereignisse aufzählen: Unmittelbar zu Anfang des Jahres tritt der Achtstundentag in Kraft. Und Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Leo Jogiches gründen die KPD als selbständige Partei. Anekdoten der Geschichte: am 10. Januar wird in Folge der Rheinlandbesetzung die Mikronation Freistaat Flaschenhals gegründet und in Cuxhaven die „Sozialistische Republik Cuxhaven“ ausgerufen. Am 15. Januar wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Soldaten in Berlin ermordet; Luxemburgs Leiche im Landwehrkanal versenkt. Vier Tage später, bei der Wahl zur Nationalversammlung, erhalten zum ersten Mal Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Am 18. Januar beginnt die Pariser Friedenskonferenz 1919 in Versailles, die dazu führen wird, daß die deutsche Delegation am 28 Juni unter Protest den ihr vorgelegten Friedensvertrag von Versailles unterschreibt, welcher formell den Ersten Weltkrieg abschließt. Zugleich wird im Vertragswerk die Satzung des entstehenden Völkerbundes akzeptiert. Am 11. Februar wird Friedrich Ebert von der Nationalversammlung zum ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt und bleibt dies bis 1925. Eine Woche später hält Marie Juchacz vor der Weimarer Nationalversammlung als erste Frau in einem deutschen Parlament eine Rede.
Und im Februar 1919 erwarb die Quickbornbewegung, eine katholische Jugendbewegung, die mittelalterliche, leider baufällige Burg Rothenfels, symbolträchtig nahe am Main, dem Strom der Mitte Deutschlands. Dies wird zumeist als eine der Geburtsstunden der Volkshochschule betrachtet. Könnte der Ort nicht zu einer Reflektion anregen? Als diese Burg in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand, waren Wissen und Bildung den Mächtigen in Adel und Kirche vorbehalten. Erst mit den revolutionären Umbrüchen des 19. Jahrhunderts wurde der Mensch als Bürger, als Staatsbürger, als citoyen erkannt und anerkannt: Indem das Subjekt den unbedingten Respekt vor seiner Selbstbestimmtheit und Würde als Person forderte. Dies schlug sich nach dem dramatischen nationalsozialistischen Terror nieder als zentrale Aussage des Grundgesetzes, worin die Bedeutung des Menschen, seiner Freiheit und Würde als Subjekt klar postuliert wurden. Ein deutliches Zeichen dieser errungenen Freiheit durch Ausbruch aus der bevormundenden, entmündigenden Gewalt von Adel und Kirche war genau das selbst-verständliche Recht der Person auf Bildung, das Recht, frei sich zu bilden. Bedenken wir bitte, daß vor wenigen Jahrzehnten, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, noch gar nicht sicher war, ob selbst erwachsenen Menschen diese Möglichkeit zuerkannt werden würde…

Heutzutage, im Jahre 2069, assoziieren wir mit der Volkshochschule aus gutem Grunde Bildung, einst „Erwachsenenbildung“ genannt, heute „freie Bildung“. Es war nicht immer so! Deshalb lade ich Sie, sehr verehrte Gäste, ein, in einer kurzen gemeinsamen Betrach­tung einiger Ereignisse des 21. Jahrhunderts sich zu vergegenwärtigen, welche Pfade und Wege gegangen wurden, um das Postulierte in erlebbare, alltägliche Praxis umzusetzen und zu verwirklichen: Sicherlich werden Sie im Nachhinein sich darüber wundern, wie mühsam es war, dieses so naheliegende, so logische Recht, frei sich zu bilden, konkret zu gestalten!

Wesentlich scheint mir aufzuzeigen, daß Bildung in den ersten zwei Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts zunehmend zu einem Gut gemacht wurde: zu einer utilitaristisch, also nach Nützlichkeitskriterien orientierten Ware, an Zwänge und Zwecke gebunden; durch eine entsprechende Verpackung und dem festgesetzten Geldeswert konnte diese verknappte Ware teuer verkauft werden. Wofür der Mißbrauch und die Verfremdung der Bildung zu ei­ner käuflichen Ware? Als Element des vor allem zielgerichteten beruflichen Erfolgs oder der Integration in die Normalität dessen, was als „deutsch“, als „deutsche Leitkultur“ galt!

Diese schleichenden Prozesse finden eine menschenbildliche Entsprechung: Unter den Vorzeichen einer zunehmenden Betrachtung und Behandlung des Menschen nur unter angeblich ökonomischen Gesichtspunkten verkommt eine spezifische Bildung zu einer kompensatorischen Maßnahme, auf daß der zum Mängelwesen, zum Zögling, zum lebenslangen Schüler degradierte Mensch dank dieser Bildung die zwingend anzustrebenden Erfolge auch erreiche. Was hierbei mit Bildungsdiplomen und Berufserfolgen erlangt wurde, war ein Wert, welcher nunmal der Würde der Person entgegensteht!

BuchstabensalatVergegenwärtigen wir uns bitte die hier angerissene Tragik und blicken zurück auf die zu Beginn des 21. Jahrhunderts geführten, wahrlich unheimlichen Diskussionen rund um das seltsame Phänomen des Analphabetismus: Immerhin, so wurde festgestellt, gab es in Deutschland um die 8 Millionen funktionale Analphabeten! Zu welchen Schlußfolgerungen führte nun die Feststellung, daß von den Menschen, welche selbstverständlich jahrelang die Schulbank gedrückt hatten, bei etwa 15% – im Verhältnis zur erwachsenen Bevölkerung – die Lust auf das für das Leben erforderliche Wissen, auf die Bildung, hier auf Lesen und Schreiben, offensichtlich „versaubeutelt“ worden war? War dies ein Scheitern der Menschen – oder der Schule? Worauf wies es hin, daß bei demoskopischen Umfragen immer mehr Menschen mit der Schule eine öde Langeweile, eine bleierne Schwere assoziierten? Weshalb war bei so vielen Menschen die Lust auf einen gebildeten Dialog, auf eine lebendige Bildungserfahrung verschwunden? Wo war bloß jene den jungen Menschen kennzeichnende, unbändige Neugierde, jene fast erotische Qualität hingeschmolzen, mit der er geboren war und die plötzlich, nach seiner zwangsweisen Einschulung, entschwand? Schlimmer war allerdings die behördliche Anmaßung, jenen immer zahlreicheren Menschen, denen amtlich beschei­nigt wurde, ob ihrer schulischen Mängel gescheitert zu sein, eine lebenslange Fortbildung anzuraten: Ihre Chancen auf eine Integration in ein globales Weltsystem war also daran gebunden, daß diese Schulgeschädigten erneut zu Schülern gemacht würden. Weshalb mußten diese wohlmeinenden und sündhaft teueren Maßnahmen – bekanntlich ist Wohl­meinen nicht unbedingt Wohltun! – scheitern? Weil es gewiß keine Lösung dar stellt, das Kontraproduktive nach dem zivilisatorischen Muster: „mehr desselben!“ zu reformieren!

Welchen Zusammenhang gibt es nun zwischen den ersonnenen Maßnahmen und der Erwachsenenbildung? Die tiefe, fast existentielle Krise, in welche die Vorstellungen einer Verschulung und die Forderungen nach einer zielgerichteten Bildung immer mehr deut­sche Volkshochschulen gestürzt hatten, erzwang sozusagen eine Rückbesinnung auf ih­ren eigentlichen Auftrag und einen Widerstand gegen diese wahrlich fatalen politischen Aufträge.

  • Erstens verabschiedeten sich die Volkshochschulen von der Vorstellung einer zu bedienenden Klientel – welch ein verräterischer Begriff!
  • Zweitens lehnten sie den thera­peutischen Auftrag nach kompensatorischen sozialpädagogischen Maßnahmen ab.
  • Drittens sah sich die Volkshochschule nicht als Konkurrenz zum telemedialen Bildschirm von Fern­sehen und Internet.
  • Und viertens, da die Volkshochschule sich nicht als Agent der zivilisa­torischen Machbarkeitsideologie verstand, besann sie sich auf ihren ursprünglichen Auf­trag einer Hochschule fürs Volk, einer Stätte der kritischen Reflektion: Dadurch stellte die VHS-Bildung geradezu ein Bollwerk gegen die schleichende Entmenschlichung und Frei­heitsberaubung dar.

In diesem Sinne möge hier daran erinnert werden, was bereits 2019, anläßlich der Feierlichkeiten zum 100jährigen Jubiläum der Volkshochschulen, sich Wegwei­sendes abzeichnete: Dezidiert wurde artikuliert, diese Einrichtung werde dank neuer Im­pulse ganz originelle Wege gehen; in der Tat leitete das Motto: „Bildung ist frei!“ einen grundlegenden Wandel ein in Richtung jener Bildung, von der wir heute, 2069, nur zu gut wissen, daß sie sich nur dann entfaltet und gedeiht, da der Mensch frei ist.

Ich sprach soeben von etwas, das uns heute, 2069, klar ist: davon nämlich, daß freie Men­schen selbstverständlich frei sich bilden. Gestatten Sie mir, exkursartig die wesentliche Frage der Qualität der Freiheit kurz aufzugreifen. Uns scheint es heute unvorstellbar, daß einstmals vor der Freiheit sogar gewarnt wurde! Daß ängstlich befürchtet wurde, ob der Freiheit werde der unbeherrschte Mensch unfähig sich anzupassen. Im Nachhinein sollte die Einschränkung der Freiheit auch vermeintlich rational gerechtfertigt werden: Da es als gefährlich galt, draußen frei sich zu bewegen und dabei frei zu atmen; oder es als gesund­heitliche Bedrohung betrachtet wurde, unbehandelte Nahrungsmittel frei zu essen, sollten die Menschen weder frei atmen, frei essen noch frei sich bewegen. Ähnliches geschah hinsichtlich der Bildung: Der propagierten, in ein Korsett eingeschnürten, sterilisierten, si­cherheitskonform gemachten Bildung, mangelte jedwede eigentliche Dynamik… bis die Menschen ihre Freiheit wieder eroberten und sich angeeigneten: als Pendant zur Freiheit konnte die Bildung nun sich voll entfalten und gedeihen. Deshalb postulieren wir heute be­wußt: Indem er frei sich bildet, legt der freie Mensch Zeugnis ab von eben seiner Identität als freier Mensch in einer freien, demokratischen Lebensform, deren Träger und Präger er ist; oder: der freie Mensch sei erst dann ein wirkliches Subjekt, wenn frei er sich bilden kann!

Wie kam es nun zur Wirklichkeit jener freien Bildung, die wir heute, 2069, alltäglich erfah­ren? Nachdem immer weniger Menschen die Koppelung von Bildung an den Spaltpilz Geld ertrugen, setzte eine radikale Selbstbefreiung von politisch-ideologischen, kirchlichen oder wirtschaftlichen Geboten ein. Nach und nach gelang es der Bürgerschaft, der zivilen Gesellschaft also, mit dem Motto: „Wir sind die Bildung!“ zweierlei durchzusetzen: Die em­blematisch einer freien Erwachsenenbildung verpflichtete Volkshochschule konnte sich nun darauf verlassen, daß sie materiell, räumlich, sachlich, aber auch personell durch die Öffentliche Hand unterstützt wurde; zugleich wurde die an eine freiheitlich demokratische Grundordnung gebundene Öffentliche Hand in eine dienende, eine subsidiäre Rolle ver­wiesen, weshalb es der Herrschaft und Verwaltung – auch dank der grundgesetzlich ver­ankerten „Freiheit der Lehre“ – aus guten Gründen verwehrt, sich in die programmatische und personelle Bildungsautonomie dieser Einrichtung einzumischen.

Wie sieht nun, im Jahre 2069, die Wirklichkeit aus, die wir gern alltäglich nutzen: die Wirk­lichkeit einer Bildung als Spiegelbild unseres freiheitlichen Lebensalltags? Zur Verdeutli­chung darf ich zwei Aspekte voneinander unterscheiden: den frei sich bildenden Men­schen einerseits; dessen organisatorische Unterstützung durch Einrichtungen wie die Volkshochschulen andererseits.

  • Wurzelt Frei-Sich-Bilden nicht in der dem Menschen geschenkten Fähigkeit zur Muße, worin er sich vom instinktgebunden arbeitenden Tier abhebt? Diese Muße ist eine dreifache Quelle und Herausforderung: zum einen könnte die Leere, die Stille, das Nichts, sogar die angebliche Langeweile ein Humus sein für die Lust, sich zu bilden. Ist der Begriff Schule nicht zurückzuführen auf das altgriechische „Scholé“, der einen Ort der Stille, der Muße beschrieb? Ohne diese Muße könnte die Person ihr Bedürfnis nach geistiger, spiritueller, technischer, ökosozialer Klärung nicht be­friedigen. Und ohne Muße könnte die Person auf der Gratwanderung von Ichheit und Sozialität die eigene Würde als erwachsene Mündigkeit im Kontext anderer Menschen nicht erfahren.
  • Dem frei sich bildenden Menschen stehen beispielsweise Büchereien, Forschungs­stätten, Kulturzentren, Podien, Bühnen, Erfahrungsorte – und eben unsere Volks­hochschulen – allesamt dienend zur Verfügung: All diese Einrichtungen sind wie ein gedeihlicher Garten, in dem vielfältiges Bildungsleben blühen kann. Dank dieser so­zusagen sinnlichen, erotischen Dynamik assoziieren wir heute mit Volkshochschule kein altes, dröges, steriles schulpädagogisches Programm für eine eher ältere „Kli­entel“; sondern ein interessantes, sinnvolles, lustvolles Bildungsleben für Men­schen, deren Alter, Herkunft, berufliche Aktivität, Beweggründe so unterschiedlich sind wie die natürliche Vielfalt. Deshalb symbolisiert diese zwar hundertfünfzigjährige, aber immer junge Einrichtung nunmal eine innovative freiheitliche Kultur und eine demokratische Stätte der menschlichen Freude, sich zu bilden.

Mit welchem Ansinnen tummeln sich in dieser so geeigneten, so gut organisierten, so ideal gestalteten Einrichtung so viele Menschen, die hier in ihrer Freude, frei sich zu bilden, sich herausgefordert und unterstützt fühlen? Dies liegt, so denke ich, an zwei Merkmalen:

  • Erstens erfahren sie als Bildungsgemeinschaft gerade hier eine gute, nicht hierar­chisch gestaltete Organisation mit den selbstverständlichen Regelungen der Solida­rität. Insofern können wir die Konkretion der freiheitlichen und demokratischen Po­stulate unserer Gemeinschaft geradezu konstruktiv erleben und gestalten: die all­tägliche Erfahrung einer hier spürbaren sensiblen Vernetzung des Menschen mit der Lebens- und Kulturform, in die er aktiv und kreativ eingebettet ist, verleiht der Volkshochschule eine eminent wichtige, auch politische Qualität.
  • Zweitens ist es gewiß kein Zufall, daß diese vielen Menschen auch von sich selbst bezeugen können, weshalb sie mit so ansteckender Freude kommen: Weil sie, Jüngste und Ältere zusammen, Wesentliches erkunden möchten. Sie entdecken Kulturen, Sprachen, Techniken, die Welt der Pflanzen, der Tiere u.v.a.m.; sie debat­tieren über Politik, Geschichte und Ehefragen oder erörtern gemeinsam philosophi­sche Belange, die auf ihr Dasein zurückwirken. Allzu gern ergreifen sie die ihnen gebotene Möglichkeit, ihr persönliches und sachliches Wissen zu schenken und zu holen sowie sich darüber aktiv auszutauschen. Insofern widerspiegelt die in der Volkshochschule zu beobachtende einzigartige Stimmung die Lebhaftigkeit, das In­teresse, die Intensität, die Ernsthaftigkeit, mit der freie Menschen sich dieser Lei­denschaft widmen. Und, ganz wichtig: Selbst wenn es oft nach Wimmeln aussieht, ist dieses Haus auch ein Ort der Ruhe, die sich nicht entfalten könnte, wo Hetze und Hektik herrschten. Uns ist bewußt, daß erst die Stille, die Muße die Aktivität ge­nerieren!

Gestatten Sie mir, abschließend aus dem Grußwort der Ministerpräsidentin, Frau Anna-Marie Guth, zwei Kerngedanken zu zitieren, die uns wahrlich ganz hoffnungsvoll stimmen dürfen:

„Diese Volkshochschule ist ein zentraler Ort für Bildung und Kommunikation. Men­schen aus der gesamten Region bilden hier verschiedenste Lerngruppen, befassen sich gemeinsam mit zeitgemäßen Themen, um miteinander und voneinander zu pro­fitieren. Deshalb werden wir als öffentliche Träger die Menschen in ihrem Eifer, frei sich zu bilden, weiterhin wirklich unterstützen: Nicht allein, weil wir Bildung als Aus­druck des Menschseins respektieren; sondern vor allem, weil Bildung ein wesentli­ches und unverzichtbares Element der freiheitlichen Demokratie ist. Und so wie wir es selbstverständlich als eine unsere vordringlichen Aufgaben betrachten, die Demo­kratie zu fördern, soll es der Öffentlichen Hand geradezu zur Ehre gereichen, daß sie auf allen Ebenen, von der Europäischen Union über den Bund und das Land hin zu der unmittelbaren Gemeindeverwaltung, alles Erforderliche tut, um die Bildung zu stärken.
Da ich selbst eine eifrige Nutzerin der Erwachsenenbildung bin, fällt es mir umso leichter festzustellen, daß immer mehr Menschen der besonderen Lust frönen, frei sich zu bilden und somit die Volkshochschule jetzt und künftig mit Leben zu füllen vermögen. Indem ich also die Volkshochschule Deutschland zu die­sem einhundertfünfzigjährigen Jubiläum beglückwünsche, will ich vor allem den Menschen, welche die Chance wahrnehmen, sich hier zu bilden, weiterhin alles Gute wünschen: Denn gewiß liegt es an ihnen und an uns allen, durch die Pflege dieser freiheitlichen und demokratischen Einrichtung uns selbst als freiheits- und demokratiebewußte Menschen zu offenbaren und zu verhalten. In diesem Sinne mögen unsere blühen­den Landschaften von Bildung und Kultur so gepflegt werden, daß sie noch lange gedeihen: stets dem Motto verpflichtet: ‚Bildung ist frei!’“


Bertrand Stern,
Siegburg 2015